Milchviehbetrieb Hirzinger aus Oberbayern – Betriebsreportage Nr. 1/2019

Grünland: Mehr Selen für fittere Kühe

Familie Hirzinger

Von links nach rechts: Johannes, Martha und Andreas Hirzinger halten etwa 80 Milchkühe.

Wir sind zu Gast auf dem Hof Hirzinger, im beschaulichen Söllhuben in der Gemeinde Riedering in Oberbayern. Der zwischen Rosenheim und dem Chiemsee gelegene Hof wird von Andreas Hirzinger und seiner Frau Martha geleitet. Die beiden Söhne, Johannes und Andreas – letzterer leider auf dem Foto nicht zu sehen – helfen auch mit.

Die Familie bewirtschaftet für ihre insgesamt 80 Milchkühe gut 43 Hektar Grünlandfläche. Außerdem werden auf 17 Hektar Ackerland Gerste und Mais angebaut.

Grünland für eigene Silage
Wer für seine Wiederkäuer eigenes Grünland bewirtschaftet, muss sich darüber im Klaren sein, dass die Leistung der Tiere vor allem von ihrem Futter abhängt. Nicht umsonst kümmern sich die meisten Milchviehbetriebe, wie auch die Hirzingers, selbst um das Gras, das am Ende in den Mäulern landet. „Unser Ziel ist es, so viel Milch wie möglich aus dem Grundfutter zu melken“, betont Betriebsleiter Andreas Hirzinger. „Hohe Grundfutterleistung“ lautet hier das Stichwort.

Da die Flächen um den Hof an einem Hang liegen und die übrigen Flächen zu weit entfernt sind, ist ein Weidegang nicht möglich. Dieser wird außerdem durch hohe Niederschläge von bis zu durchschnittlich 1300 Millimetern verhindert. „Wenn der Boden zu nass ist, würde ein Weidegang die Grasnarben zu sehr beschädigen“, erklärt Johannes. Deshalb bleiben die Kühe das ganze Jahr über in dem Stall und werden mit einer totalen Mischration (TMR) gefüttert. Die Silage besteht zu zwei Dritteln aus Grassilage und zu einem Drittel aus Maissilage. Jedem Tier wird hier das Futter angerechnet, das zur Produktion von gut 27 Litern Milch notwendig ist.

Um eine hohe Silagequalität zu erzielen, achten die Hirzingers auf einen optimalen Schnittzeitpunkt und eine angepasste Düngung. Hierbei legen Sie besonders Wert auf Schwefel, da er für die Ertragsbildung, den Proteingehalt und für eine hohe Stickstoffeffizienz entscheidend ist. Aber auch Selen spielt eine wichtige Rolle.

Betriebsspiegel_Hirzinger
Der Betriebsleiter verrät, dass er bei der Dünung das Augenmerk besonders auf Schwefel und Selen legt.

Der Betriebsleiter verrät, dass er bei der Dünung das Augenmerk besonders auf Schwefel und Selen legt.

Fokus auf Schwefel und Selen
Fehlt Selen, wird nicht nur die Leistung der Tiere beeinträchtigt, es können auch gesundheitliche Probleme aufkommen. Dazu zählen: Muskelerkrankungen, Kalbeprobleme, Wachstums- und Fruchtbarkeitsstörungen sowie ein erhöhtes Risiko, an Mastitis zu erkranken. All das kostet letztendlich Zeit und Geld. Besser ist es also, vorzubeugen – mit dem richtigen Dünger.

Umstellung kann Berge versetzen
Erst in der vergangenen Saison hat Andreas Hirzinger seine Düngestrategie umgestellt und ist von einem ammoniumbetonten Schwefeldünger für das Grünland zu YaraBela Weide-Sulfan gewechselt. Dieser Dünger enthält neben Schwefel auch eine Extraportion Selen, um eine ausreichende Versorgung der Tiere über das Grundfutter zu sichern.

Auf das Jahr gerechnet kommen, neben der betriebseigenen Gülle, rund 150 Kilogramm mineralischer Stickstoff zum Einsatz. Das entspricht sieben Dezitonnen des Yara Grünlanddüngers.

„Was hat Sie dazu bewogen zu wechseln?“, wollen wir wissen. Die Idee sei aus einer Zusammenarbeit mit dem LKV* und der Molkerei Danone entstanden. „Wenn man Mineralfutter unter das Grundfutter mischen möchte, wer garantiert dann, dass dieses auch wirklich gleichmäßig in dem Futter verteilt wird?“, so Andreas Hirzinger.

Auch der Fütterungsberater des LKVs, Georg Baumann, konnte durch Futteranalysen eine Verbesserung der Werte herausstellen. Er hält es besonders bei Milchviehbetrieben für sinnvoll, die Selen-Grundversorgung über die Mineraldüngung des Grünlandes sicher zu stellen.

DANONE Projekt ProFee greift heimischen Landwirten unter die Arme
Andreas Hirzinger ist mit seinem Hof Teil des Projektes ProFee, welches von der Molkerei Danone in Zusammenarbeit mit dem LKV (LKV Bayern e.V.) und der LfL (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft) iniziert wurde. Mit dem Projekt werden Landwirte dabei unterstützt, ihre eigene Eiweißbilanz, beispielsweise im Grünland, zu steigern und das Grünland auch entsprechend dem Bedarf der Kühe zu versorgen. Zugekauftes Soja aus Übersee ist nämlich nicht nur teuer, sondern belastet auch die Umwelt und schwächt die Unternehmer in ihrer eigenen Unabhängigkeit.
Ein höherer Anteil an selbst produziertem Futter mit besserer Qualität führt zu einer gesteigerten Grundfutterleistung. Dabei spielt auch die Düngung eine entscheidende Rolle. Kühe können dadurch gesünder und bedarfsgerechter versorgt werden.

Neben der Strategie mehr Eiweiß vom Grünland zu ernten baut der Betrieb Hirzinger dieses Jahr auch erstmals versuchsweise auf einer kleinen Fläche Sojabohnen an.

Grünlandanalysen zeigen zweifelsfrei, wie positiv sich die neue Düngestrategie auswirkt: Durch die Umstellung wurde nicht nur der Ertrag sondern auch die Qualität verbessert. Trockenmasse und Proteinertrag konnten merklich gesteigert werden. Zum Vergleich Auszüge der Pflanzenanalyse in Bezug auf Schwefel und Selen, aus Mai 2018 (siehe Tabelle 1).

Tab. 1: YaraBela Weide-Sulfan steigert die Schwefel- und Selengehalte.

Pflanzenanalyse ohne
YaraBela Weide-Sulfan
Pflanzenanalyse mit
YaraBela Weide-Sulfan
Schwefel (%)0.110.17
Selen (ppm)0.010.12
Künftig möchte der Landwirt auch seine Maissilage mit Selen anreichern. Dazu streut er im Keimblattstadium auf den Mais, genau wie im Grünland, YaraBela Weide-Sulfan.
Nachzucht

Fittere Tiere sind gerne gesehen
Martha Hirzinger, die sich hauptsächlich um die Nachzucht kümmert, stellt seit der Umstellung auf den selenhaltigen Dünger einen Unterschied fest:

„Das Nachgeburtsverhalten unserer Kühe hat sich positiv verändert, und die Kälber saufen besser.“ Und das, obwohl die Blutwerte der Herde auch schon vor der Nutzung auf dem Papier in Ordnung waren. „Das ist ein großes Problem bei vielen Milchviehhaltern: Manche sind sich der Wichtigkeit von Selen nicht bewusst. Bei anderen sind die Werte zwar theoretisch in Ordnung, eine in der Praxis sichtbare Verbesserung wäre trotzdem noch möglich. Dieser Hof ist ein gutes Beispiel dafür“, so Yara-Berater Adrian Urban.

Rotes Tuch Düngeverordnung
Wie bei vielen in der Branche ist auch im Hause Hirzinger das Wort „Düngeverordnung“ nicht gerne gehört.

„Wir setzen hauptsächlich die eigenen organischen Dünger auf unseren Flächen ein. Die Grenze von 170 Kilogramm Stickstoff und den 10 Kilogramm Phosphat-Saldo einzuhalten, kann schnell zu Schwierigkeiten führen“, erzählt uns Andreas Hirzinger. Anstatt das volle Potenzial der Gülle zu nutzen, wird der Landwirt durch die neuen Vorschriften dazu gedrängt, Gülle abzugeben und dafür mineralische Dünger einzukaufen. „Anders ist die Lücke im Stickstoffbedarfnicht zu schließen“, ergänzt er. Trotz allem herrscht eine gelassene Stimmung im Hause der Hirzingers, die wie immer zielorientiert die Herausforderungen der kommenden Jahre angehen.

Auch wir sind gespannt und hoffen, in Zukunft vielleicht noch mehr Gutes über den Hof berichten zu können.

*Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V.

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