Die Futterreserven auffüllen

Grünland: Der erste Schnitt zählt

Grünland: Der erste Schnitt zählt

Nach dem trockenen Jahr sind viele Futterreserven auf den deutschen Milchviehbetrieben nahezu aufgebraucht. Daher ist es umso wichtiger, dass besonders der erste Schnitt möglichst ertragreich wird. Mit diesen Strategien gelingt‘s.

Ein hoher Grundfutter-Ertrag hat vor allem einen Vorteil: Sie sparen Geld, da Sie kein teures Futter zukaufen müssen. Allerdings sollten Sie auch die Qualität nicht außer Acht lassen. Denn, wie der Name schon sagt, bildet qualitativ hochwertiges Grundfutter die Grundlage für eine hohe Tierleistung. Damit Sie beide Ziele erreichen – sowohl die gewünschte Qualität als auch die hohen Grundfuttererträge – sollten Sie bei der Düngung einige Punkte beachten. Zu den wichtigsten Faktoren zählen der Düngezeitpunkt sowie die gestreute Menge an Stickstoff und Schwefel. Da die betriebseigene Gülle langsamer wirkt, sollte sie durch eine gut bemessene Mineraldünger-Gabe ergänzt werden. Versuche bestätigen, dass sich der Grünlandertrag durch die richtige Düngestrategie verdoppeln lässt – im Vergleich zu einem gänzlich ungedüngten Grünland (Grafik, siehe weiter unten).

Warum ist die erste Gabe entscheidend?
Im Frühjahr werden die Tage länger und die Böden beginnen sich zu erwärmen. Damit die Futtergräser die Energie der Sonne nutzen können, um ihre Pflanzenmasse aufzubauen, benötigen Sie jetzt ausreichende Mengen an Stickstoff und Schwefel. Zu diesem Zeitpunkt sind die Nährstoffreserven des Bodens aber nur schlecht verfügbar. Empfehlenswert ist daher die Gabe eines Mineraldüngers, der Nitrat und Sulfat enthält. In dieser Form sind die Nährstoffe im Boden mobil und können daher schnell von den Wurzeln aufgenommen werden. Sie kurbeln die Photosynthese und damit auch das Graswachstum an.

Warum Stickstoff in Form von Ammonium-Nitrat?
Besonders bei der ersten Gabe ist die Stickstoff-Form entscheidend. Dünger auf Basis von Ammonium-Nitrat, wie zum Beispiel YaraBela Weide-Sulfan, wirken zuverlässig und schnell. Ammonium wirkt nachhaltig und es kommt nicht zu Ammoniakverlusten durch Ausgasung, wie zum Beispiel bei Harnstoff. Dieser sollte zwei Wochen vor Beginn des Wachstums ausgebracht werden. Er hat aber im Grünland entscheidende Nachteile: Bei der Harnstoffdüngung geht mehr Stickstoff in Form von Ammoniak verloren. Gerade bei einer trockenen Witterung kann der Verlust durch Ausgasung erheblich sein, was sich in deutlich niedrigeren Erträgen zeigt (Grafik, siehe weiter unten).
Manche Mineraldünger, wie YaraBela Weide-Sulfan, enthalten neben Sulfatschwefel auch noch Natriumselenat. In dieser Form wird das Selen zügig von den Gräsern und Kräutern aufgenommen. Es wird unter anderem in die Aminosäure Methionin eingebaut und hat so einen äußerst positiven Effekt auf die Stalltiere.

Was ist mit Gülle?
Gülle ist ein wertvoller Mehrnährstoffdünger, der gezielt im Grünland eingesetzt werden muss. Aber Vorsicht: Gülle enthält nicht alle Nährstoffe, die für hohe Erträge und Qualitäten im Futterbau wichtig sind. Stickstoff und Schwefel sind zwar in der Gülle vorhanden, allerdings hauptsächlich organisch gebunden. Daher wirken die Nährstoffe der Gülle gerade im Frühjahr zu langsam. Auch enthält Gülle kein pflanzenverfügbares Selen. Was ist zu tun? Um eine hohe Ausnutzung der Gülle zu erzielen, sollte diese unmittelbar zu Vegetationsbeginn im Frühjahr ausgebracht werden. Eine bedeckte, regnerische Witterung nach der Düngung verbessert die Nährstoffeffizienz genauso wie teilweise eine bodennahe Verteiltechnik. Ergänzend zur Gülle sollte auch unbedingt ein schwefelhaltiger Stickstoffdünger eingesetzt werden. Der Grund: Er überbrückt den Zeitraum, in dem die Nährstoffe der Gülle noch nicht vollständig freigesetzt und wirksam sind.
Stalltiere reagieren sehr positiv auf eine Düngung des Grünlandes mit Selen.

Stalltiere reagieren sehr positiv auf eine Düngung des Grünlandes mit Selen.

Welchen Einfluss haben Stickstoff und Schwefel auf den Ertrag und die Qualität von Silage?
Die folgende Grafik veranschaulicht sehr deutlich den Einfluss einer Düngung von Stickstoff und Schwefel.

Grünland: Exaktversuch in Moosburg 2018

Der Exaktversuch an dem Standort Moosburg in Oberbayern zeigt: Stickstoffmenge und -form entscheiden über den Trockenmasse-Ertrag im Grünland. Aufgrund der trockenen Witterung im vergangenen Jahr schneidet die Harnstoffvariante besonders schlecht ab. Zweifelsfrei: Ohne eine mineralische Schwefeldüngung können die Gräser den gedüngten Stickstoff nicht nutzen. Schwefel ist Bestandteil der Nitratreduktase. Dieses Enzym ist in der Pflanze für die Umsetzung von Stickstoff verantwortlich. Dadurch verbessert Schwefel die Stickstoff-Effizienz und sorgt so für höhere Erträge. Weil Schwefel auch Bestandteil von Proteinen ist, steigert eine Schwefeldüngung zudem die Rohproteingehalte der Silage.

FAZIT

Wenn Sie früh damit beginnen die Grundlage für einen optimalen ersten Schnitt zu legen, sorgen Sie zugleich für einen hohen Gesamt-Grünlandertrag. Damit kommen Sie dem Ziel „mehr Milch aus dem Grundfutter zu erzeugen“ ein entscheidendes Stück näher.