Alternativen zum Import von Soja & Co.

Den Eiweißgehalt heimischer Futtermittel erhöhen

Alternativen zu Soja -Eiweißgehalt heimischer Futtermittel erhöhen

Jeder Tierhalter weiß: Futtermittel machen einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus. Wo kommen unsere Futtermittel eigentlich her und wie sieht es speziell beim Eiweiß aus?

Im Wirtschaftsjahr 2017/18 betrug das gesamte Futtermittel-Aufkommen in Deutschland rund 218 Mio. Tonnen, von denen 97 Prozent im Inland erzeugt wurden. Die mengenmäßig wichtigsten Futtermittel sind dabei: Grassilage mit rund 67 Mio. Tonnen, Silomais mit rund 70 Mio. Tonnen und Getreide mit rund 24 Mio. Tonnen.
Anders sieht der Selbstversorgungsgrad jedoch aus, wenn man sich die Eiweißerzeugung ansieht. Der Bedarf an verdaulichem Eiweiß beträgt in Deutschland 8,7 Mio. Tonnen. Einheimisch erzeugte Futtermittel sind relativ eiweißarm. Produkte aus Soja haben mit jährlich 1,4 Mio. Tonnen dabei den größten Anteil (Abbildung 1). Insgesamt machen aber Ölkuchen und -schrote den größten Teil des verdaulichen Eiweißes aus.

Im Wirtschaftsjahr 2017/18 betrug das gesamte Futtermittel-Aufkommen in Deutschland rund 218 Mio. Tonnen, von denen 97 Prozent im Inland erzeugt wurden. Die mengenmäßig wichtigsten Futtermittel sind dabei: Grassilage mit rund 67 Mio. Tonnen, Silomais mit rund 70 Mio. Tonnen und Getreide mit rund 24 Mio. Tonnen. Anders sieht der Selbstversorgungsgrad jedoch aus, wenn man sich die Eiweißerzeugung ansieht. Der Bedarf an verdaulichem Eiweiß beträgt in Deutschland 8,7 Mio. Tonnen. Einheimisch erzeugte Futtermittel sind relativ eiweißarm. Produkte aus Soja haben mit jährlich 1,4 Mio. Tonnen dabei den größten Anteil (Abbildung 1). Insgesamt machen aber Ölkuchen und -schrote den größten Teil des verdaulichen Eiweißes aus

Programm zur Förderung des Anbaus heimischer Leguminosen

Importe von Soja und Sojaschrot werden zunehmend kritisch hinterfragt. Weite Transporte, Rodung von Regenwald und überwiegender Anbau genmanipulierter Sorten werden dabei als Gründe genannt. Als Reaktion darauf hat die Bundesregierung ein Programm zur Förderung heimischer Eiweißpflanzen beschlossen. Das Projekt hat vor allem das Ziel, den inländischen Anbau von Leguminosen zu fördern.

Wie sieht es aktuell mit dem Leguminosen-Anbau in Deutschland aus?

Es ist unbestritten, dass Leguminosen Fruchtfolgen auflockern können und einen hohen Vorfruchtwert haben. Im organischen Landbau spielen sie deshalb eine tragende Rolle. Konventionell wirtschaftende Betriebe hält die im Vergleich zu anderen Kulturen schwache Wirtschaftlichkeit oftmals von Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen oftmals von deren Anbau ab. Zurzeit werden in Deutschland 180.000 ha Ackerbohnen, Futtererbsen und Lupinen angebaut. Sojabohnen wurden lediglich auf 25.000 ha kultiviert. Für die Erzeugung von Sojabohnen gibt es in Deutschland klimatische Grenzen und der Anbau ist auf einige Gunstlagen beschränkt – vor allem Süddeutschland.

Allein mit Ackerbohnen und Co. lässt sich aber die heimische Produktion von Eiweiß nicht sichern. Zu groß wäre der Flächenbedarf. 1,8 Mio. Hektar an Hülsenfrüchten würden für eine vollständige Verdrängung von Import-Eiweiß benötigt. Noch größer wäre der Flächenbedarf, wenn durch den zunehmenden Anbau von Leguminosen Futtergetreide oder Raps verdrängt würden. Diese Kulturen werden bereits für die Erzeugung von Eiweiß genutzt (DLG Mitteilungen 8/2019).

Bestehende Potenziale besser nutzen

Wie lässt sich – außer mit einer Erweiterung des Leguminosen-Anbaus – sicherstellen, dass mehr Eiweiß in Deutschland erzeugt wird? Dabei ist es nicht von Vorteil, dass der Anbau von Raps in diesem Jahr um 28 Prozent auf nunmehr knapp 890.000 Hektar zurückgegangen ist. Rapsschrot leistet bislang einen wichtigen Beitrag zur Eiweißversorgung. Ein naheliegender Weg besteht darin, den Eiweißgehalt von bereits etablierten Futtermitteln zu erhöhen – hierzulande vor allem Grünland und Getreide. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft sieht das größte Potenzial für eine Steigerung der heimischen Eiweißmengen in einer Verbesserung der Grünlandbewirtschaftung. Die Voraussetzung dafür ist, die Düngung, Artenzusammensetzung und den Schnittzeitpunkt zu optimieren.

Schwefel macht den Unterschied

Wie sich der Rohproteinertrag je Hektar im Grünland alleine durch eine zusätzliche Schwefel-Düngung erhöhen lässt, zeigt der folgende Versuch (Abbildung 2). Schwefel erhöht die Stickstoffeffizienz und ist ein unmittelbarer Bestandteil der essentiellen Aminosäuren Cystein, Cystin und Methionin. Der Versuch wurde im vergangenen Jahr in Moosburg, Bayern, durchgeführt. In beiden getesteten Varianten war die gedüngte Stickstoffmenge exakt die gleiche. Einmal wurde Kalkammonsalpeter (KAS) zu allen Schnitten gedüngt und ein anderes Mal YaraBela Weide-Sulfan (24 % Stickstoff, 18 % SO3 und 10 ppm Se). Durch die Schwefeldüngung wurden der Ertrag um 11 Prozent und der Proteingehalt um 6 Prozent erhöht. Das entspricht einer Steigerung des Proteinertrages pro Hektar um gut 17 Prozent.

Stickstoff-Schwefel-Dünger für ertrag- und proteinreiches Grünland

Die Erhöhung des Proteingehaltes im Futtergetreide leistet ebenfalls einen Beitrag, mehr Eiweiß auf dem eigenen Betrieb zu erzeugen. In Getreide macht sich der Einsatz eines schwefelhaltigen Düngers in der letzten Stickstoff-Gabe oftmals durch einen höheren Proteingehalt bezahlt. Dies zeigt auch der Exaktversuch in Abbildung 3. Hier wurden in Winterweizen zur dritten Stickstoff-Gabe einmal Kalkammonsalpeter (KAS) und einmal YaraBela Sulfan (24 % Stickstoff und 18 % SO3) eingesetzt. In der Variante mit Schwefel zur letzten Gabe wurde der Proteingehalt um 0,4 Prozent erhöht. Das Ertragsniveau wurde nicht beeinflusst.

Eine Spätgabe mit Schwefel erhöht den Proteingehalt von Weizen

FAZIT

Eine Maßnahme allein reicht nicht aus, um die Eiweißlücke zu schließen. Neben der Erweiterung des LeguminosenAnbaus kann die Steigerung des Eiweißgehaltes wichtiger einheimisch produzierter Futtermittel, wie Grassilage und Getreide, einen entscheidenden Beitrag leisten. Wenn man eine Verdaulichkeit des Rohproteins von 70 Prozent annimmt, könnte man durch diese beiden Maßnahmen etwa 280.000 t verdauliches Eiweiß aus Soja ersetzen – also gut 20 Prozent der Gesamtmenge.

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