Stickstoffdüngung im Herbst – was darf man noch, was ist sinnvoll?

Junge Gerstenpflanzen

Eine gute Herbstentwicklung der Wintersaaten spielt nicht nur für den Ertrag eine wichtige Rolle, sondern spart auch Stickstoff bei der Frühjahrs-Startgabe. Gefragt ist eine schnelle und direkte Wachstumswirkung mit kleinen Mengen – ein klarer Fall für Nitrat-Stickstoff. Allerdings gilt es weitere Veränderungen bei der Düngeverordnung zu beachten. Die wichtigsten Regeln für den Herbst haben wir für Sie zusammengefasst.

Was sagt die Düngeverordnung?

Winterraps, Wintergerste und Zwischenfrüchte dürfen bis zum 1. Oktober eine Herbst-Stickstoffgabe erhalten – vorausgesetzt, sie wurden bis zum 15. September gesät, bzw. Wintergerste bis zum 30. September. Die Stickstoffgabe darf 60 kg Gesamt-Stickstoff/ha bzw. 30 kg Ammonium-Stickstoff/ha nicht überschreiten. Vor dem Streuen ist eine Düngebedarfsermittlung und ein Düngeplan aufzustellen. Für Zwischenfrüchte ohne Beerntung steht dafür in den Bundesländern oft ein Formblatt zur Verfügung. Neu ist: Die Herbst-Stickstoff-Gabe müssen Sie auf den Stickstoffbedarf nach Düngeverordnung anrechnen. Der für den Herbst vorgegebene Nmin lässt sich im Frühjahr durch aktuelle Werte korrigieren.
Für Grünland und für spätestens bis zum 15. Mai mehrjähriges etabliertes Feldfutter liegt die gesamte Stickstoff-Obergrenze bei 80 kg N/ha im Zeitraum vom 1. September bis 1. Dezember. Auch diese Menge ist im Frühjahr anzurechnen.
Berücksichtigen Sie unbedingt die Regeln der Bundesländer, insbesondere abweichende Regeln für die Roten Gebiete!

Jedes Kilo Stickstoff im Herbst mehr fehlt im Frühjahr

Die Stickstoffdüngung im Herbst hat zwei Ziele:
1. Die Herbstsaaten sollen eine ausreichende vegetative Entwicklung  für eine ausreichende Winterhärte erreichen.
2. Zusätzlich unterstützt Stickstoff schon im Herbst die generative  Entwicklung wie Knospenbildung im Raps und Triebzahl im Getreide.

Allerdings konkurrieren die jungen Pflanzen mit der Strohrotte um  Stickstoff – bevorzugt in Form von Ammonium. Deshalb erreicht  leicht verfügbarer Nitrat-Stickstoff nach Strohdüngung, in pfluglosen Verfahren oder bei der Direktsaat die jungen Pflanzen deutlich besser.

Im Herbst ist es entscheidend, dass der Stickstoffdünger für die Pflanzen verfügbar ist und sicher wirkt. Bedenken Sie:

1. Nitrathaltige Stickstoffdünger werden einfach und sicher über den  Transpirations-Strom über die erst wenigen und kurzen Wurzeln  aufgenommen. Nitrat treibt das Wachstum von Wurzeln und Blättern an.
2. Im Herbst gedüngter Stickstoff, der nicht von der Pflanze   aufgenommen wurde, kann durch Auswaschung verloren gehen.   Deshalb ist weniger aber gut verfügbarer Nitrat-Stickstoff besser als   das erlaubte Maximum mit langsam wirkenden Ammonium- oder   Harnstoff-Düngern.
3. Es müssen alle notwendigen Pflanzennährstoffe ausreichend zur   verfügbaren Stickstoffmenge angeboten oder im Boden bevorratet   sein. Achten Sie als Ackerbauer auf eine ausreichende Schwefel-,  Kalium- und Phosphat-Versorgung ganz nach dem Liebig-Prinzip.

Düngeempfehlung für den Herbst

  • 30 bis 40 kg N/ha mit schwefelhaltigen Nitratdünger, wie YaraBela Sulfan bei ausreichender Phosphat- und Kaliumversorgung
  • 30 bis 40 kg N/ha mit schwefelhaltigen NPK-Volldüngern. Zu bevorzugen sind hier stickstoff- und kaliumbetonte Dünger und besonders Produkte, die zusätzliche Mikronährstoffe enthalten, wie zum Beispiel Bor.
  • Von dieser Standard empfehlung können Sie in folgenden Situationen auch abweichen und die Stickstoffmengen reduzieren:
    • Raps braucht mehr Stickstoff als Wintergerste. Für     Wintergerste reichen oft 25 bis 30 kg N/ha über Sulfan.
    • Haben Sie das Stroh der Vorfrucht geerntet? Reduzieren Sie dann die Herbst-Stickstoffgabe um 10 bis 30 kg N/ha.
    • Je intensiver und tiefer die Bodenbearbeitung erfolgte, umso weniger müssen Sie jetzt mit Stickstoff anschieben: Direktsaat und pfluglos bestellte Bestände brauchen 10 bis 20 kg N/ha mehr als Raps auf gepflügtem Land. Wintergerste nach Pflug und ohne Strohdüngung kommt häufig ohne zusätzliche Stickstoffgabe zurecht.
    • Bremsen kalte oder trockene Witterungsbedingungen das Wachstum, sollte rechtzeitig vor dem Stichtag (30. September) mit Nitrat-Stickstoff Starthilfe gegeben werden. Bei milden Nächten und ausreichend Regen springt die Mineralisation im Boden stärker an und versorgt auch die Herbstsaaten.

Fazit

Höhe und Termin der Herbst-Stickstoffgabe für Neuansaaten ist klar vorgegeben. Dabei ist die Stickstoffmenge für Winterraps und Wintergerste nach Getreide-Vorfrucht jetzt ein Teil des Gesamt-Stickstoffbedarfs nach Düngeverordnung. Damit nimmt die Höhe der Stickstoffgabe im Frühjahr bei diesen Kulturen noch weiter ab. Wer im Herbst mit weniger, aber mit sicherem und schnell wirkendem Nitrat-Stickstoff düngt, hat im Frühjahr mehr Stickstoff für mehr Ertrag.

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