Eine optimale Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen in Form mineralischer oder organischer Dünger ist aus ökonomischer Sicht vorteilhaft. Diese Tatsache ist seit langem bekannt und selbstverständlicher Bestandteil der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft. Durch optimale Düngung können die Kulturen ihr volles Wachstumspotential ausschöpfen und bringen den ökonomischen Höchstertrag. Aber auch aus Umweltsicht ist eine an den Pflanzenbedarf angepasste Düngung sinnvoll. Eine Getreideproduktion ohne Düngung ist dagegen sogar umweltschädlich. Diese eher überraschende Erkenntnis bringen neue Ökobilanzstudien ans Licht, in denen die Weizenproduktion bei unterschiedlicher Düngungsintensität untersucht wurde.

Bevor die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Studie vorgestellt werden, wird zunächst das methodische Vorgehen der Ökobilanzierung kurz beschrieben.

In Ökobilanzen werden zunächst alle Umweltwirkungen (Emissionen, Ressourcen), die mit einem Produkt zusammenhängen in einer Inventur zusammengestellt. Emissionen können im Falle von Stickstoffdüngern z.B. CO2-Emissionen sein, die während der Produktion (z.B. Energieerzeugung) und Ausbringung (z.B. Dieselverbrauch beim Streuen) entstehen, aber auch N-Verluste im Feld in Form von Nitrat und Ammoniak. Zu den Ressourcen zählen der Einsatz von Energie und Rohstoffen aber auch die Flächennutzung (= Naturraumverbrauch) in der Pflanzenproduktion.

Ökobilanzen umfassen immer das gesamte Produktionssystem. So werden nicht nur die Emissionen und Ressourcen erfasst, die während des Einsatzes des Produktes entstehen, sondern auch solche, die schon während der Produktion und des Transports anfallen. Somit wird der gesamte "Lebensweg" des Produktes erfasst.


Im nächsten Schritt werden dann die unterschiedlichen Emissionen und Ressourcen sortiert und bewertet. Das Ergebnis dieses Schrittes sind Kennzahlen (Indikatoren) für bestimmte Umwelteffekte. Beispielsweise tragen CO2- und N2O-Emissionen zum Umwelteffekt "Treibhauseffekt" bei, Ammoniak (NH3) und Stickoxide (NOx) verstärken die "Versauerung", Nitratauswaschung sowie NH3 und NOx Verluste tragen zur "Eutrophierung" (siehe auch: P-Bilanz) bei. Für jeden Umwelteffekt wird eine Kennzahl berechnet, deren Wert im Fall der Weizenproduktion immer auf eine Tonne Korn bezogen ist.

In der im Fallbeispiel angewendeten EcoX-Ökobilanzmethode wird zusätzlich ein die Umwelteffekte Versauerung, Naturraumverbrauch, Eutrophierung und Treibhauseffekt zusammenfassender Umweltindex (EcoX) berechnet. Mit diesem Wert können die Umweltwirkungen der verschiedenen Düngungsstufen in einem einzigen Wert ausgedrückt und auf diese Weise besser miteinander verglichen werden: je höher der EcoX-Wert, desto stärker wird die Umwelt belastet.

Dieses Ökobilanzmodell wurde genutzt, um die Umweltwirkung unterschiedlicher N-Dünger im Ackerbau zu untersuchen. Folgende N-Dünger wurden bei einer einheitlichen N-Rate von 160 kg N/ha getestet: Kalksalpeter (KS), Kalkammonsalpeter (KAS), Ammonnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) und Harnstoff (Urea).


Dabei zeigt sich, dass die Gesamt-Umweltbelastung in der Reihenfolge KS < KAS < AHL < Urea ansteigt bzw. mit steigendem Nitratgehalt abnimmt.

Der Hauptgrund hierfür sind die höheren Ammoniakemissionen aus harnstoffhaltigen Düngern (Urea, AHL). infolge der gasförmigen Verflüchtigung nach der Düngerausbringung auf dem Acker, die sowohl zur Versauerung als auch zur Eutrophierung beiträgt. Die Beiträge der N-Formen zum Treibhauseffekt und Naturraumverbrauch sind insgesamt niedriger und die Unterschiede zwischen den N-Formen geringer.

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