In der aktuellen Diskussion über die zukünftige Ausgestaltung der landwirtschaftlichen Produktion wird auch die Frage gestellt, wie sich Mineraldüngung und die Forderung nach Nachhaltigkeit vertragen. In dieser Diskussion steht allerdings meist die ökologische Komponente der Nachhaltigkeit im Vordergrund. Eine nachhaltige, d. h. langfristig tragfähige Landwirtschaft muss natürlich verstärkt Belange des Umweltschutzes berücksichtigen. Sie darf aber auch die beiden anderen Komponenten der Nachhaltigkeit, nämlich die ökonomische Entwicklung und soziale Aspekte wie das Recht auf ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln nicht vernachlässigen. Bereits im Brundtland-Report von 1987 umfasst der Begriff "Nachhaltigkeit" bewusst die drei Elemente Umwelt, Ökonomie und Soziales.


"Eine nachhaltige Entwicklung befriedigt die Bedürfnisse der heutigen Generation, ohne die Bedürfnisse und Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden." (Brundtland, 1987)

Nach Schätzungen der FAO wird die Weltbevölkerung bis 2030 auf über acht Mrd. Menschen wachsen. Dies bedeutet, bezogen auf das Jahr 1995, eine Zunahme um über 40 Prozent. Um diese Menschen zu ernähren, muss die Getreideproduktion im gleichen Zeitraum um fast 60 Prozent steigen. Die Ackerfläche kann jedoch bestenfalls nur noch geringfügig ausgedehnt werden. Der Großteil der zusätzlichen Getreideproduktion muss daher aus steigenden Flächenerträgen resultieren. Deshalb wird nach Einschätzung der FAO auch der Einsatz von Mineraldüngern steigen, und zwar bis 2030 um rund 36 Prozent.


Nach guter fachlicher Praxis wird der Mineraldüngereinsatz heute so bemessen, dass der ökonomisch optimale Ertrag erzielt wird: die pflanzlichen Erträge steigen mit zunehmender Düngung und insbesondere mit steigender Stickstoffdüngung nicht linear, sondern in Form einer sich abflachenden Kurve. An einem bestimmten Punkt der Ertragskurve deckt der erzielbare Ertragszuwachs die Kosten für die zusätzliche N-Düngung nicht mehr. Eine Erhöhung der N-Düngung über diesen Punkt hinaus führt damit zu einem Rückgang des Gewinns. Daher entspricht dieser Punkt auf der Ertragskurve dem ökonomisch optimalen Ertrag. Die zum Erreichen dieses Ertrages nötige N-Düngung wird als ökonomisch optimale N-Düngung bezeichnet.
Von extensiveren Düngungsstrategien, wie z.B. suboptimaler mineralischer Düngung oder ausschließlicher organischer Düngung z.B. mit Stallmist (Verzicht auf Mineraldünger), wird eine höhere Umweltverträglichkeit erwartet, weshalb sie als Alternative zur derzeitigen ökonomisch optimalen Düngung verstärkt diskutiert werden. Solche Strategien führen jedoch zu deutlich niedrigeren Erträgen und landwirtschaftlichen Einkommen. Selbst bei jährlich hohen Ausbringmengen an organischen Düngern (ca. 2 Großvieheinheiten pro ha bzw. 35 t Mist pro ha) liegen die Erträge dann etwa um ein Viertel niedriger.

Ein ausgewogenes Nährstoff-Management mit Hilfe von Mineraldünger stellt sicher, dass die Böden mit den Nährstoffen versorgt werden, die für die Erzeugung von mehr hochwertiger Nahrung für mehr Menschen notwendig sind. Nur fruchtbare, gesunde Böden können die hohen Erträge aufrechterhalten, die für die Sicherung und Erhöhung der Nahrungsmittelvorräte erforderlich sind. Nährstoffe, die in Form von Ernteprodukten vom Boden abgefahren werden, müssen daher wieder vollständig ersetzt werden. Wenn dies nicht geschieht, reduziert sich die Fruchtbarkeit des Bodens und die nachfolgenden Ernten werden niedriger ausfallen und z.B. weniger Protein enthalten.

Dies ist häufig in ärmeren Teilen der Welt der Fall. Die Nahrungsmittelproduktion ist wegen der dezimierten Nährstoffreserven der Böden viel zu niedrig. Daher betreiben die Menschen Brandrodung, um zusätzliche Flächen in Kultur nehmen zu können. Sie tragen somit zur Abholzung und den damit verbundenen Umweltproblemen wie Erosion und Reduzierung von CO2 absorbierender Biomasse bei.

>> zum Seitenanfang