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Niedrige Erzeugerpreise und hohe Betriebsmittelpreise zwingen den Landwirt die zur Verfügung stehenden Finanzmittel optimal einzusetzen. Dies muss aber nicht zwangsläufig heißen, das der Landwirt immer zum „billigsten“ Produkt greifen sollte. Vielmehr ist es wichtig, die für den Betrieb wirtschaftlichteste Lösung zu finden, d.h. die Betriebsmittel einzukaufen, die unter den gegebenen Bedingungen das beste Kosten/Nutzen-Verhältnis aufweisen.
Beim Einkauf mineralischer Stickstoffdünger hat der Betriebsleiter – sofern der Handel ein ausreichendes Sortenspektrum vorhält – eine große Auswahl an verschiedensten N-Einzel- sowie Mehrnährstoffdüngern.
Welcher Düngertyp ist aber unter den betrieblichen Bedingungen der Dünger mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis, bzw. welche Faktoren müssen bei Preisvergleichen mit berücksichtigt werden?
Hier spielen Faktoren wie die Qualität, Nährstoffgehalte, Begleitnährstoffe, Folgekosten wie Kalkzehrung und Ausbringkosten, die Verfügbarkeit der enthaltenen Nährstoffe (Wirkungssicherheit) und Zusatzstoffe eine erhebliche Rolle.
Patentrezepte – wie die einfache Kalkulation nach kg N-Preis – sind meist wenig hilfreich, da die genannten Faktoren in jedem Betrieb anders gewichtet werden müssen.

Auf Qualität achten
Beim Einkauf von N-Düngern sind verschiedene Qualitätseigenschaften von Bedeutung (Abb).
Bei Festdüngern sind dies vor allem physikalische Parameter, die die Streubarkeit wesentlich beeinflussen.
Ein qualitativ hochwertiger Dünger lässt sich mit entsprechender Technik auch auf große Arbeitsbreiten gleichmäßig streuen. Voraussetzung hierfür ist z.B. ein geringer Staubanteil, ein ausgewogenes Korngrößenspektrum und eine ausreichende Kornhärte (wegen der starken mechanischen Beanspruchung). Ferner sind im Hinblick auf die Streuereinstellungen und die Flugeigenschaften auch die Kornform und die Oberflächenbeschaffenheit zu beachten.
Ein günstiges Fliessverhalten ist bei der Entleerung des Düngerstreuers und speziell bei Platzierungstechniken von Vorteil.
Das spezifische Gewicht des Düngers ist hinsichtlich der erreichbaren Arbeitsbreiten und der Anfälligkeit gegen Wind von Bedeutung. Je höher das spezifische Gewicht eines Düngers, umso größere Wurfweiten können erreicht werden. Auch die Anfälligkeit des Streubildes bei Windeinfluss ist bei schweren Körnern geringer.
Der Biuret-Gehalt (Nebenprodukt bei der Harnstoffherstellung) spielt nur bei harnstoffhaltigen Düngern eine Rolle. Biuret ist ein Nebenprodukt bei der Harnstoffherstellung und schädigt in zu hohen Konzentrationen das Pflanzenwachstum. Die maximalen Gehalte sind gesetzlich festgelegt und werden von Qualitätsprodukten in der Regel eingehalten. Die Lagerbarkeit hängt von den chemischen Eigenschaften des Düngers ab. Je hygroskopischer ein Dünger ist, umso eher wird Feuchtigkeit aus der Luft aufgenommen. Um dennoch eine gute Lagerung zu ermöglichen, werden Dünger meist oberflächen-behandelt, um das Eindringen von Feuchtigkeit in die Körner zu unterbinden.

Bei Flüssigdüngern wird – zumindest bei Applikationen auf die Blattmasse - eine gute Pflanzenverträglichkeit gefordert. Wichtiger Parameter ist hier eine hohe Oberflächenspannung, die das schnelle großtropfige Abfließen der Düngerlösung von den Blättern ermöglicht. Ätzschäden auf den Blättern werden so verringert. Aus diesem Grund sollte auch auf den pH-Wert und bei harnstoffhaltigen Düngern auf den Biuret-Gehalt geachtet werden.
Die Korrosivität muss bei der technischen Ausstattung (d.h. Lagerung, Pumpen, Ausbringtechnik) beachtet werden. Der Kristallisationsbeginn ist hinsichtlich einer eventuellen Lagerung der Produkte von Bedeutung.

Wie vorgehen bei Preisvergleichen?
Vorraussetzung für einen gezielten und preiswerten Einkauf der Nährstoffe ist zunächst eine detaillierte Düngungsplanung. Erst wenn genau bekannt ist, welche Nährstoffe insgesamt zu einer Kultur oder Fruchtfolge appliziert werden müssen, kann über die Auswahl der in Frage kommenden Düngemittel eine Entscheidung getroffen werden. Zur Verfügung stehende Wirtschafts- und Sekundärrohstoff-dünger müssen natürlich berücksichtigt werden.



Ein direkter Preisvergleich aufgrund der Kosten für die Dezitonne Produkt oder auf kg –N-Basis (Kosten 100 kg Produkt/ N-Gehalt in %) ist nur bei identischen Produkten möglich.

Bei unterschiedlichen Produkten müssen die Kosten für die Dünger über ein komplettes Düngesystem (Fruchtfolge) zu verglichen werden, um eine komplette Kosten/Nutzen-Rechnung durchzuführen. So müssen z.B. Kosteneinsparungen durch eine Reduzierung von Überfahrten berücksichtigt werden, wenn Nährstoffkombinationen gezielt eingesetzt werden. Ferner steht z.B. häufig den evtl. höheren Kosten für einen Dünger der durch den gezielten Einsatz eines solchen Düngers erzielbare Mehrertrag gegenüber.

Ist der Nährstoffbedarf ermittelt, kann im zweiten Schritt die Auswahl der in Frage kommenden Dünger eingegrenzt werden, indem aus Sicht der Pflanzenernährung sinnvolle Kombinationen gewählt werden. Zu hinterfragen ist hierbei neben der Menge, die zu den einzelnen Düngungsterminen appliziert werden soll, auch der Zeitpunkt, an dem die Nährstoffe am effizientesten eingesetzt werden können.
Zu nennen sind hier z.B. die kombinierte Stickstoff/Schwefeldüngung zu schwefelbedürftigen Kulturen im Frühjahr, die NP-Düngung zu Mais oder auch die Verwendung von Mehrnährstoffdüngern, die die Entwicklung der Kulturen unter schwierigen Bedingungen im Herbst oder Frühjahr zu beschleunigen. Dabei ist zu beachten, dass die Nährstoffe in den einzelnen Düngern im richtigen Verhältnis enthalten sind, bzw. sinnvoll in der Fruchtfolge ergänzt werden können. Im dritten Schritt können dann die Düngerkosten der ausgewählten Dünger verglichen werden.

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Der einfachste Weg wäre sicherlich, den Preis der Stickstoffdünger durch den N-Gehalt der Dünger zu dividieren. Dies ist allerdings nur bei Produkten möglich, die sich lediglich im N-Gehalt unterscheiden. Begleitnährstoffe und sonstige wertbestimmende Produkteigenschaften müssten identisch sein. In der Praxis ist dies in der Regel nicht der Fall. Vielmehr ist die Beurteilung der Nährstoffkosten sehr komplex und kann –aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen im Einzelbetrieb – nicht pauschal durchgeführt werden.
Zunächst müssen alle im Dünger enthaltenen Nährstoffe monetär berücksichtigt werden. Dies ist bei Einnährstoffdüngern wie Harnstoff, AHL oder Kalkammonsalpeter ohne Magnesium recht einfach durchzuführen. Bei kombinierten Düngern, wie Stickstoff-Schwefel-Düngern oder gar Mehrnährstoffdüngern (z.B. NPK+Magnesium+Schwefel) kann der Wert der einzelnen Nährstoffe aus Einzelnährstoffdüngern berechnet werden. Will man z.B. den N-Preis in einem NP-Dünger bewerten, so ist zunächst der Wert des Phosphats vom Düngerpreis abzuziehen. Dieser kann vom Preis für Triple-Superphosphat kalkuliert werden. Der Wert eines Kilogramms Kalium könnte entsprechend vom Preis von 60-er Kali abgeleitet werden.
Schwieriger ist die Kalkulation von Nährstoffen, wie z.B. Magnesium oder Schwefel, die selbst nicht in Einnährstoffdüngern vorkommen, sondern in Kombination mit anderen Nährstoffen vorliegen. Hier müssen zur Bewertung dann mehrere Rechenschritte erfolgen.

Wie vorgehen bei Preisvergleichen?
Da sich die verschiedenen Dünger neben den Nährstoffgehalten auch in den physikalischen und chemischen Eigenschaften unterscheiden, ist es notwendig, auch andere wertbestimmende Produkteigenschaften bzw. Folgekosten in die Bewertung von Düngern mit einfließen zu lassen.

- Ausbringung:
Die Folgekosten für die Ausbringung hängen im wesentlichen von der bei der Ausbringung möglichen Arbeitsbreite und auch von möglichen Streufehlern ab (siehe auch Qualität der Dünger). Ein Produkt mit besseren physikalischen Eigenschaften und hoher Qualität, das z.B. auf 36 m gestreut werden kann, ist in der Ausbringung günstiger, als ein Produkt, das in der Arbeitsbreite aufgrund seiner Eigenschaften eingeschränkt ist. Dies ist bei der Bewertung der Düngerkosten zu berücksichtigen. Ebenso sind Ausbringungskosten für Fest- und Flüssigdünger deutlich unterschiedlich und müssen berücksichtigt werden.
Aus Streufehlern, die auf mindere Qualitäten zurückzuführen sind, entstehen Folgekosten. Streufehler kosten Geld durch direkte Ertragseinbußen und weitere Folgeschäden (höhere Druschkosten und Trocknungskosten), die durch die ungleichmäßigere Abreife und Lager entstehen können.
Gleiches gilt für den Einsatz von Mischdüngern im Vergleich zu NPK-Volldüngern. Hinsichtlich der Streueigenschaften sind Mischungen von mehreren Komponenten mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften immer ein Kompromiss. Bei Mischdüngern sollten daher möglichst Komponenten mit übereinstimmenden physikalischen Eigenschaften verwendet werden. Ist dies nicht der Fall, sind Entmischungen bei Umschlag, Transport, Lagerung und vor allem bei der Ausbringung zu erwarten, die eine ungleichmäßige Nährstoffverteilung zur Folge hat.

- Kalkzehrung:
Einfach zu kalkulierende Folgekosten der Düngung sind die Kalkungskosten, die durch die Verwendung von sauer (kalkzehrend) wirkenden Mineraldüngern entstehen. Die kalkzehrende Wirkung von Düngern muss zur Aufrechterhaltung des pH-Wertes im Boden im Laufe der Fruchtfolge durch entsprechende zusätzliche Kalkgaben ausgeglichen werden. Wesentlich bei der Berechnung der Kalkzehrung der Dünger, die üblicherweise nach der Formel von Sluijsmans kalkuliert wird, ist deren Nährstoffzusammensetzung (s. Tab.).

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Ein Beispiel zur Berücksichtigung der Kalkzehrung:
Berücksichtigt man einen Preis von 0,05 – 0,06 €/kg CaO (entsprechend dem CaO-Preis für vergleichbare Kalke), ergeben sich z.B. für den bedeutendsten N-Dünger Kalkammonsalpeter Folgekosten von 0,65 – 0,78 €/100 kg KAS (Kalkzehrung –13 kg CaO/dt * 0,05 (bzw. 0,06) €/kg). Im Vergleich zu einem mehr versauernden wirkenden Dünger, wie z.B. schwefelsaurem Ammoniak (ssA), das Folgekosten in Höhe von 3,15 – 3,78 €/dt verursacht, ergibt sich also eine Differenz von 2,50 – 3,00 €/dt Produkt, die beim Einkauf der Dünger berücksichtigt werden muss.

Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf die Besonderheit von Böden mit sehr hohen oder steigenden pH-Werten, wie sie z.B. teilweise in Trockengebieten vorkommen. Hier ist eine versauernde Wirkung der verwendeten Dünger erwünscht, so dass hier die kalkzehrende Wirkung nicht als Folgekosten auf den Düngerpreis aufgeschlagen werden muss. Allerdings muss unter solchen Bedingungen auf das besonders hohe gasförmige Ammoniak-Verlustpotenzial der stark versauernd wirkenden harnstoffhaltigen Dünger hingewiesen werden.

- Wirkungssicherheit:
Die sicherlich schwierigste Größe bei der Beurteilung der Preiswürdigkeit eines Düngers ist die Bewertung der Wirkungssicherheit oder Effektivität der enthaltenen Nährstoffe. Die in den gängigen N-Düngern vorkommenden N-Formen Nitrat, Ammonium und Harnstoff wirken unterschiedlich schnell. Je nach Einsatzzeitpunkt und der aktuellen Entwicklung der Pflanzen und der Witterung, muss der Landwirt abwägen, ob er auf die schnell wirkende Nitratform verzichten kann oder nicht. Benötigt man z.B. zur Förderung der Bestockung zur 1. Gabe im Getreide oder unter kühlen Witterungsbedingungen schnell wirkenden Stickstoff zur Förderung des Bestandes, müssen nitrathaltige Stickstoffdünger im Nutzen höher bewertet werden, als reine Ammonium- oder Harnstoffdünger. Sollte die Wirkungsgeschwindigkeit keine Rolle spielen, können die N-Formen gleichwertig behandelt werden. Ebenso müssen Effizienzunterschiede, die sich aus N-Verlusten oder der Festlegung von Stickstoff im Boden ergeben, berücksichtigt werden. Die in den gängigen N-Düngern enthaltenen N-Formen sind im allgemeinen bekannt oder deutlich deklariert (siehe Liste). Bei Mehrnährstoffdüngern, insbesondere NPK‘s und Mischdünger, ist dem Endanwender allerdings häufig nicht bekannt, in welcher Form der Stickstoff im Produkt vorliegt. So ist z.B. ein NPK-Dünger fürs Frühjahr, der auf N in Form von Nitrat und Ammonium basiert, anders zu bewerten als ein NPK, der N als Ammonium und Harnstoff enthält. Hier muss die Deklaration des Düngers genau studiert werden.
Auch die Verfügbarkeit der Begleitnährstoffe ist wichtig bei der Beurteilung der Preiswürdigkeit. Als Beispiel sei hier z.B. der Anteil an wasserlöslichem Phosphat oder Magnesium genannt.
Führt ein Dünger aufgrund seiner höheren Effizienz zu Mehrerträgen im Vergleich zu einer billigeren Düngervariante, sind diese Mehrerträge bei den Düngerkosten natürlich zu berücksichtigen.

Einen Sonderfall stellen Dünger mit Nitrifikationshemmern dar, sogenannte stabilisierte Dünger.
Stabilisierte Dünger sollen durch Einsparung von Überfahrten zur Senkung der Kosten beitragen. Allerdings müssen die betriebsspezifischen Applikationskosten den nicht unerheblichen Mehrkosten dieser Produkte gegenübergestellt werden. Besondere Vorteile verspricht man sich bei der Anwendung stabilisierter Dünger in Trockengebieten, wo z.B. in Getreide die beiden letzten Gaben zusammengefasst werden sollen.
Anhand von Ergebnissen der Offizialberatung oder mit eigenen Versuchen sollte vor dem Einsatz geprüft werden, ob es am eigenen Standort agronomisch sinnvoll ist, solche Dünger einzusetzen. Wichtig bei solchen Vergleichen ist, zwischen dem Effekt einer Zusammenfassung von 2 Gaben und dem eigentlichen Effekt der Stabilisierung zu unterscheiden. Daher sollte auch eine zusammengefasste Gabe mit traditionellen Düngern, wie z.B. KAS oder N/S-Düngern, mit in die Prüfung einbezogen werden.


Erst wenn all die genannten Faktoren berücksichtigt sind, kann die für den Betrieb optimale Einkaufsentscheidung getroffen werden. Die betriebliche Ausstattung, Lagerungsmöglichkeiten, die Möglichkeit zum Früheinkauf sowie potenzielle Einkaufsgemeinschaften sind natürlich ebenfalls zu berücksichtigen.

(Auszug aus dem DLG-Merkblatt „N-Düngung effizient gestalten“, DLG 12/2006)

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