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Welche Rolle spielen Wind und Granulatqualität beim Düngerstreuen?
Düngerstreuerhersteller bemühen sich mit immer mehr ausgefeilter Technik, die Quer- und Längsverteilung der im Markt angebotenen Düngemittel zu optimieren. Dies beweisen die aufwändigen Streutabellen, die inzwischen auf Handbuchformat angewachsenen sind. Die modernen Düngerstreuer sind in der Lage, nahezu jedes Granulat optimal zu streuen. Jedoch werden die empfohlenen Einstellwerte unter günstigen Bedingungen in Hallen ermittelt. Umweltfaktoren sind hierbei nicht berücksichtigt. Dass beispielsweise Wind einen erheblichen Einfluss auf die Streuqualität haben kann, ist bei Praktikern sehr wohl bekannt. Jedoch ist das Ausmaß des Windeinflusses bisher noch nicht wissenschaftlich untersucht worden. Zu dieser Problematik haben Versuche der Fachhochschule Mannheim (Prof. Rädle) aufschlussreiche Ergebnisse geliefert.
Mehr dazu finden Sie im Artikel: Düngerstreuen bei Wind, dlz 10/2006

Diese Unterschiede zwischen den Düngersorten wurden durch Praxisversuche mit Hilfe eines mobilen Streustandes weiter untersucht.
Der Versuchsaufbau ist dabei denkbar einfach: Wie bei der Überprüfung der Verteilgenauigkeit einer Praxismaschine sind Streuschalen über die Arbeitsbreite der Maschine aufgestellt. Der Düngerstreuer wird auf die drei Granulate laut Streutabelle eingestellt. Die Messung der Streufehler erfolgt bei Wind durch die Erfassung der Granulatablage mit den Streuschalen. Gleichzeitig wird die Windstärke zum Zeitpunkt der Messung erfasst. Die Arbeitsbreite ist bei diesem Versuch 21 m.

Windanfälligkeit vom Granulat abhängig
Die Abbildungen 1, 2 und 3 zeigen das Ergebnis dieser Streuversuche für KAS und zwei Harnstoffqualitäten. Die schwarze Linie stellt dabei die ausgebrachte Düngermenge bei einmaliger Überfahrt, also das Grundstreubild, dar. Durch die Überlappung bei der Rückfahrt ergibt sich das Gesamtstreubild, welches durch die blaue Linie dargestellt wird.
Der Einfluss des Seitenwinds von 4 m/s von rechts zeigt hier beim feinen Harnstoff eine deutliche Verschiebung der ausgebrachten Düngermengen in den linken Arbeitsbereich. Dadurch ergibt sich ein Streufehler im Gesamtbild von 34,4% bei fein gekörntem Harnstoff. Beim KAS wird bei der gleichen Windstärke immer noch ein sehr ausgeglichenes (dreieckiges) Grundstreubild erzeugt, so dass die Düngerverteilung in beiden Arbeitsbereichen jeweils 50% der Gesamtmenge betragen. Der Streufehler liegt hier im Gesamtstreubild bei 7% und weist damit eine optimale Düngerverteilung auf, das heißt hier ist mit Ertragsverlusten nicht zu rechnen.

Abbildung 1: Gesamtstreubild von feinem Harnstoff bei Wind von 4 m/s

Quelle: Dynatest, DSM agro                                                                                                          

Abbildung 2: Gesamtstreubild von groben Harnstoff bei Wind von 4 m/s

Quelle: Dynatest, DSM agro                                                                                                          

Abbildung 3: Gesamtstreubild von KAS bei Wind von 4 m/s

Quelle: Dynatest, DSM agro                                                                                                          

Fazit
Es kann insbesondere bei großen Arbeitsbreiten davon ausgegangen werden, dass mit einer Erhöhung der Arbeitsbreite um jeden Meter, der Einfluss des Windes bedeutender wird.

Um eine sichere Düngerverteilung zu gewährleisten, muss gerade auf großen Betrieben mit großen Arbeitsbreiten über die Verwendung schwerer Dünger nachgedacht werden. Als schwere Dünger bezeichnet man solche, die ein Schüttgewicht von 1 t/m³ und darüber aufweisen.

Leichte Granulate (z.B. Harnstoff) werden durch Wind stärker beeinflusst. Besonders wenn große Arbeitsbreiten erreicht werden sollen, sind sie außerdem höheren mechanischen Belastungen ausgesetzt,. Dies führt häufig zur Zerstörung des Düngerkorns durch die Streuschaufeln, insbesondere wenn die Produkte geringe Kornhärten aufweisen. Dadurch leidet bei Harnstoff häufig die Verteilgenauigkeit. Unbekannte Herkünfte mit fehlenden Informationen über qualitative Eigenschaften wir die Kornhärte sind somit kritisch zu beurteilen.

Weiterhin zeigte sich, dass die Faustzahl für die maximale Windgeschwindigkeit von 5 m/s bei der Applikation von Pflanzenschutzmitteln nicht pauschal auf die Streutechnik übertragbar ist. Ein KAS mit hohem spezifischem Eigengewicht zeigt bei einem Wind von 6-7 m/s noch ein stabiles Streubild, während leichtere Produkte wie Harnstoff bereits bei einer Windstärke von 4 m/s einen hohen Streufehler aufweisen.

Die so erzeugten Streufehler können dann zu Erlösverlusten führen, die die vorhergehende Einsparung beim Düngemitteleinkauf übersteigen kann.

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